P.M.


 

Ein perfekter Sturm


 

Das weltumspannende kapitalistische Wirtschaftssystem erweist sich zunehmend als ekla­tantes Ärgernis. Es zwingt die sich rasant entwickelnden kreativen, technischen und kom­mu­­ni­kativen Kräfte in ein Korsett von archaischen Eigentumsbegriffen, absurden Buch­haltungs­­ver­fahren, läh­men­den Rechts­formen. Während es sich als neo-imperiale Macht ge­bärdet, ist es unfähig, nur schon all seine Untertanen zu ernähren, obwohl genug Nahr­ungsmittel produziert werden. Es leistet sich 500 Millionen Arbeitslose, während die noch Be­schäftigten sich über zunehmenden Stress beklagen. Obwohl seine wirtschaft­lichen und militärischen Akteure rund um den Globus herum operieren, ist es ihm nicht gelungen, eine dazu passen­de Form politischer Repräsentation einzurichten (eine demo­kratisch ge­wählte Weltregie­rung). Nach wie vor befasst es sich mit illusorischem "Nation-Building", wäh­rend die WeltbewohnerInnen sich mit ihren Kontakten und Migrationen schon längst als Einheit verhalten.


 

Noch sichtbarer ist das Versagen einer auf blindes Wachstum angewiesenen Wirt­schaftsweise im ökologischen Bereich. Gegenwärtig wird diese Planet nicht nachhaltig genutzt, sondern recht eigentlich "abgebaut". Je nach Berechnung verbrauchen wir momentan zwei bis fünf Planeten, wobei eine Milliarde ChinesInnen noch nicht einmal begonnen haben, sich Autos zu kaufen. Wenn die kapitalistische Fressmaschine nicht in den nächsten Jahrzehnten gestoppt wird, droht eine irreversible Katastrophe.


 

Die alte Weltaristokratie von Kapitalbesitzern, Oligarchen oder Lokaldiktatoren hat Angst, die Kontrolle über die Widersprüche, von denen sie lebt und die sie reproduziert, zu verlieren und schlägt wild um sich. Sie behindert den Austausch kultureller und wissen­schaftlicher Informationen, die Ver­sorgung mit Medikamenten, die freie Migration, die gemeinsame Benutzung von lebens­wichtigen Gütern, den Gebrauch von Ressourcen gemäss den Bedürfnissen, nachhaltige Lebensweisen. Überall zeigt sich das Bedürfnis der Menschen, die Produkte freier Zusammenarbeit allen ohne kapitalistische Abrechnung zur Verfügung zu stellen. Nie­mand sieht mehr ein, warum man sogenannten ökonomi­schen Gesetzen gehorchen soll, während die eigenen Kinder verhungern. Während das globale ancien régime krampfhaft versucht, die längst diffus gewordenen Produktions- und Tauschformen in Märkte und Profite zu pressen, ist die ungeduldige Bevölkerung daran ihre Beschwerdebücher zu füllen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie so massenhaft präsentiert werden, dass das Kartenhaus zusam­menfällt. Dieser Moment soll mit den heutigen Ablenkungs­manö­vern der globalen Bürger­kriege "gegen den Terror" heraus­gezögert werden. Doch bald spielt da niemand mehr mit, weder die fremden Terroristen noch die eigenen Söldner, sofern man sie noch unter­scheiden kann. Sogar die Hausintellektuellen an den neo-liberalen Höfen und Think Tanks fühlen sich von der Grobschlächtigkeit der Massnahmen und Ideologien immer mehr abgestossen.


 

Niemand bestreitet die intellektuelle Schönheit der liberalen Theorie. Während der Wett­bewerbs­anreiz die Menschen zu Höchstleistungen treibt, verhilft die internationale Arbeits­teilung via Handelsfreiheit allen zu wechselseitigem Vorteil und Reichtum. Diese Theorie hatte von Adam Smith bis zum Washington Consensus 200 Jahre Zeit, allge­meines Glück herzustellen, aber es waren immer nur die gleichen 20 %, die davon profitierten. Wie die ptolemäische Kosmologie versucht sie sich mit allerlei Entschuldigungen und Korrekturen wie Marktversagen, störenden Staatseingriffen usw. zu retten: wäre es nicht besser zuzu­geben, dass die Erde um die Sonne kreist, und dass es einfach nicht funktioniert? Wett­bewerb und Leistung sind nur zwei Tupfer auf einer ganzen Palette von Motivations­möglichkeiten. "Open source" und "shareware" sind den Buchhaltern der Multis längst davongelaufen. Wir alle sind Apaches!

 

Die alte Religion ist in Krise und produziert darum noch ihre letzten, kruden fundamental­istischen Angsttriebe. Wer nicht mehr daran glaubt, wird zum Terroristenfreund erklärt.


 

Inzwischen haben die Menschen genug von all den Ismen, mit denen man versucht, sich an den entscheidenen Fragen vorbeizumogeln: woher kommt unser Essen, woher unser Haus­haltungsgeld, wer kann unser Leben garantieren, wenn wir in Ausbildung, krank oder alt sind? Die Abhängigkeit unserer Haushalte von globalen Finanzmanipulationen hat dazu geführt, dass unser Lebensunterhalt immer unsicherer wird. Pensionen hängen von Aktien ab, die sich über Nacht entwerten können, weil die Chinesen sie nicht mehr kaufen. Erspartes kann verdampfen, wenn der Dollar das Währungssystem ruiniert. Sowohl Neo­liberalismus, Neosozialdemokratismus wie Neokonservativismus haben sich erschöpft: Regierungen aller ideologischen Färbungen werden unterschiedslos abgewählt oder in Abstimungen desavouiert. Das einzige, das sie vermocht haben, ist Angst und Verun­sicherung zu verbreiten. Die Menschen trauen den internationalen Systemen nicht mehr – was sie wollen, sind sichere Haushalte, sowohl private wie öffentliche. Sie wollen mehr Kontrolle über ihre Lebensgrundlagen, und zwar lokal und direkt, nicht abhängig von genialen Wirtschaftstheorien.


 

Leider sind auch Begriffe wie Sozialismus oder Kommunismus heute nicht mehr brauch­bar. Obwohl ihre ursprünglichen Inhalte ihre Richtigkeit bewahrt haben, sind sie durch ein gigantisches Täuschungsmanöver diskreditiert worden. 1917 hat eine als Partei organi­sierte Mafia durch einen Putsch einen autoritären Staat übernommen und mit seiner Hilfe eine Art Surrogat-Kapitalismus entwickelt, der den Menschen als Kommunismus verkauft wurde. Die dadurch freigesetzten Energien wurden aber nicht für den Aufbau autonomer gesellschaftlicher Strukturen eingesetzt, sondern für eine besonders brutale und umwelt­schädliche nachholende Modernisierung. Die Früchte von 70 Jahren Staats­kapi­talismus wurden schliesslich von den zu Oligarchen mutierten Bürokraten auch formell privatisiert.


 

Während das "Nein" zu diesen globalen un-ökonomischen und un-ökologischen Umtrieben allgemein geworden ist, hat die unzufriedene Weltbevölkerung noch einige Schwierig­kei­ten, sich über die konkreten Modalitäten, Organisationseinheiten und Austausch­prinzipien für die Zeit danach zu einigen. Schon klar ist, dass es ein ganzes Bündel von Vorschlägen geben wird, viele mögliche Ja, ein neues "E pluribus unum". Statt eines neuen Korsetts wird ein flexibles Netzwerk entstehen, das die vielfältigen Ressourcen, Ideen und Produkte in einem freien Spiel zusammenbringt. Da aber der Planet trotz aller Ver­schiedenheiten eine physische Einheit ist, wird es auch eine Verständigung über einige grundlegende Module und Regeln geben müssen. Es kann zum Beispiel nicht unendlich viel CO2 in die Atmosphäre abgelassen werden. Verkehrssysteme brauchen eine Koordi­nation. Die Ver­teilung geographisch ungleich lokali­sierter Ressourcen muss organisiert werden. Epi­demien können nicht nur lokal bekämpft werden. Gesellschaftliche Verbände müssen nach Bedeutung und Grösse für alle zufälligen BesucherInnen lesbar sein, damit die Gast­freundschaft spielt. Formen von allgemeiner demokratischer Repräsentation (Welt­parla­ment) können so gestaltet werden, dass sie sich nicht vom alltäglichen gesell­schaft­­lichen Netz entfremden können. Das wird auch dadurch garantiert werden, dass eben das Leben dort, wo es sich abspielt, von den Handelnden direkt-demokratisch gestaltet wird. Wenn das kreative Netzwerk sich selbst reguliert, wird es in den verbleibenden Bereichen nur noch wenig zu regulieren geben. Damit die Nutzung einer globalen Allmende (Commons) nicht zur Tragödie eines Kampfs aller gegen alle wird, müssen auf demokratische Weise verbindliche Nutzungssubjekte konstituiert und Nutzungsregeln festgesetzt werden.


 

Die Menschen verlangen überall Demokratie, nicht aus Faszination durch eine Staatsform, sondern weil sie ihre Angelegenheiten selbst in die Hände nehmen wollen. Die assortierten Oligarchen werden ihre Regionalimperien schon bald aufge­ben müssen. Es gelingt heute noch knapp den je nach Lage kombinierten Militärmaschinen unter US-Führung lokale Situa­tionen unter Kontrolle zu halten – eines Tages wird eine globale Konjunktur ent­stehen, die sie überfordern und auflösen wird: Söldner machen nur so lange mit, wie ein Sieg sicher scheint.


 

Wir wissen nicht, wann eine globale Konstellation demokratischer Bewegungen entstehen wird, die uns vom kapitalistischen Ärgernis befreit. Was wir tun können, ist inzwischen unsere Vorstellungen für die andere Welt zu entwickeln und darum herum zugleich die globale Kommunikation, die sie möglich machen wird, aufzubauen. Es wird kein plötz­liches Danach geben, sondern eine allmähliche Verabschiedung, ein sich beschleuni­gendes Fading-out und Fading-in.


 

Was die Schaffung von demokratischen Weltorganisationen erschwert, ist die Tatsache, dass sie von meist nicht demokratisch legitimierten Nationalregierungen beherrscht wer­den, die gar kein Interesse daran haben, dass sich demokratische Strukturen von der Basis her bilden können. Demokratie ist grundsätzlich unmöglich, wenn die grundlegenden Gemein­schaften einer Gesell­schaft von patriarchaler Familien- und Clanherrschaft be­­stimmt werden. Eine unparteiische, sachliche Rechnungsprüfung und Geschäftskontrolle über gemeinsam genutz­te Ressourcen ist unter diesen Bedingungen schwierig. Letztlich ist also eine weltweite Demo­kratie nur möglich, wenn die Gleichheit der Geschlechter, die Befreiung der Frauen, sich durchgesetzt hat. Demokratieförderung ist Frauenförderung. In einer unvollkommenen Welt wird also eine positive Rückkopplung von Fortschritten in den Nachbarschaften mit partiell wirksamen Programmen auf nationaler oder globaler Ebene den Ausweg bilden. Weder die Weltdemokratie noch die Gleichheit im Alltag können warten.


 


 


 

Attraktor Nachbarschaftsbereich


 

Die Bewegung zur Überwindung des weltweiten Kapitalismus kann zum Beispiel mit den Begriffen der Komplexi­täts­theorie beschrieben werden, die sich typischerweise parallel zur Entstehung des Internet entwickelt hat. Die Alternative zum weltweiten Kapitalismus wird nicht als ein neues "ausgedachtes System" betrachtet, das das alte in einem einzigen, phan­tastischen (und tatsächlich unmöglichen) Kraftakt ersetzt, sondern als kommunikative Emergenz um ein Bündel von sozialen Attraktoren oder Wirbeln herum. Die Alternative ent­steht also, wie heute schon die diversen Protestbewegungen, als gemeinsames Mitwir­ken unzähliger Akteure an einem neuen Geflecht, das allmählich das alte durchdringt und ablöst. Man könnte hier von einer Art Schwarm­intelligenz reden. Aus einigen wenigen Anfangs­bedingungen heraus und durch freie Kommuni­kation kann so ein neues Lebens­netz­­werk entstehen, das sich seine eigenen Gravitations­zentren, Module und Regeln schafft.


 

Einer der Grundattraktoren, der sich aus theoretischen Einsichten und praktischen Erfahr­un­gen ergibt, ist sicher der Nachbarschaftsbereich. Mehrere Echos suggerieren ihn als eine verlockende Möglichkeit, vielfältige Synergien, entspannte gesellschaftliche Umgangs­for­men und auch ökonomische Ressourcen frei zu setzen. Eines dieser fernen Echos ist die vor-moderne Dorfgemeinde, die in Westeuropa im 15. Jahrhundert durch eine nervöse Koalition des geschwäch­ten Territorialadels, des korrumpierten Klerus und der ver­ängstigten Bour­geoisie systematisch und mit verallgemeinerten Massakern zerstört wurde, die mit den Hexenverfolgungen ihren traumatischen Abschluss fanden. Diese Reaktion auf das neue Selbstbewusstsein von Bauern, Handwerkern und Künstlern leitete den welt­weiten Über­gang von vielfältigen Wirtschaftsformen zum liberalen Einheits­system ein. (Und das war der ursprüngliche Staatseingriff, die Ursünde, des Liberalismus.) Doch die Dorfgemeinde kann heute nur noch ein Echo sein, weil die neuen Nachbar­schaften in einer Welt, wo 50% der Menschen in Städten wohnen, nicht mehr autark-ländlich sein können. Da zudem die Schwäche dieser Gemeinschaften gerade darin bestand, dass sie im wesent­lichen patriarchalisch und undemokratisch waren, können sie höchstens als Muster für syner­getisches Potential gelten. Ein anderes Echo bilden eine Vielzahl von Beweg­ungen von Dorfgemeinschaften in Mittelamerika, barrios in Mexiko oder Argenti­nien, Stadtteilen in Europa usw. Die Besetzungen von Wohnungen, die Einrichtung von Volks­küchen oder Werkstätten, Hilfsfonds, Kindergärten, Fahrzeugpools usw. zeigen das vielfältige Potential in diesem Bereich.


 

Der soziale Attraktor Nachbarschaft, der je nach Situation um die 500 Menschen zu einem synergetischen Netz zusammenbringt, wird auch durch kommunikationssoziologische Über­­­leg­ungen gestärkt. Bis zu 150 Individuen ist Organisation ohne formelle Strukturen möglich und gleitet daher leicht in familienbestimmte oder mafiaartige Strukturen ab, die ausweglos werden können. Eine allzu grosse Personenzahl, vielleicht über 1000, hingegen stützt bureaukratische Verwaltungsweisen, die ihre eigenen Gefahren haben. Dazwischen öffnet sich ein Fenster für statutarisch regelbare basisdemokratische Organisationen, die noch auf freiwilliger Grundlage funktionieren können und durch zufällige Kommunikation gestärkt werden: es braucht zwar Sitzungen, aber nur wenige, weil das meiste noch an Ort und Stelle oder bei einem Schwatz im Nachbarschaftscafé erledigt werden kann. Diese Grössen­ordnung ist überdies kein utopisch zu gründendes Phalanstère, sondern in den meisten Städten und Dörfern praktisch schon vorhanden. Typische Blockrandbebauungen aus dem 19. Jahrhundert, Strassengevierte, kleine Borghi, Genossenschaftssiedlungen, Strassen­gemein­schaften wie die Haras in Kairo, gewisse Housing Projects in New York usw. sind bauliche Ensembles, die sozusagen nur noch sozial "wachgeküsst" werden müssen.


 

Da keine traditionelle Bezeichnung dem sozialen Basisattraktor gerecht wird, kann er ganz nüchtern Life Maintenance Organisation LMO (Lebenserhaltungs­organisation) genannt werden.


 

Es ist kein Zufall, dass die ausgedünnten Suburbia-Siedlungen den genauen Gegenentwurf zu diesen potentiell subversiven Nestern bilden. Der vom Auto abhängige isolierte homo suburbanus ist eben das ideale Subjekt, der ideale Idiot (idiotes=griech. Privatmann), auf den der globale Idiotismus zugeschnitten ist: zugleich wehrlos und egoistisch/beschränkt. Er ist der Wähler des grossen weissen Vaters im Weissen Haus, der ihn mit Erdöl, Kon­sumgütern und fundamentalistischen Legenden versorgt. (Es ist die real existierende Irra­tionalität dieses Systems, das sich religiöse Wahnsysteme im Osten und Westen oder Hexenglauben in Afrika schafft.) Eine der grössten Herausforderungen des Attraktors Nach­­­­­barschaft wird daher der Rückbau, die Resozialisierung und Neuverdichtung der weder ökologisch noch nervlich erträglichen globalen Surburbia-Gebiete sein. Dieser soziale Wirbelsturm wird sogar unvermeid­lich, da in wenigen Jahren der Oil Peak (Hubbert's peak) erreicht sein wird, womit Benzin und Automobil so teuer werden, dass die Funktionen Wohnen, Arbeiten und Versorgung gar nicht mehr zusammen­gebracht werden können. Diese wun­derbare Konvergenz von sozialer Attraktion, kreativer Syner­gie, demokratischer Rege­ne­ration und ökologischem Umbau ist ein weiterer Hinweis dafür, dass die Zeit für die andere Welt gekommen ist. Der globale Kapitalismus mag weiter machen wollen, aber der Planet (mitsamt seinen Lebewesen) ist der Sache müde.


 

In einer weiteren Perspektive erzeugt der Attraktor Nachbarschaft reichhaltige Gross­haushalte, die von der Wiege bis zur Bahre allen Mitbewohnern eine Existenz­grund­lage jenseits von Familie und Staat bieten. Gegenüber dem heutigen Wirtschafts­subjekt steigt die mögliche Effizienz um einen Faktor 200. Gemeinsames Kochen, Waschen, Kinder­betreuen, Mitbenutzung statt Eigentum, eigene Werkstätten, Energie­effizienz durch kom­paktes Bauen und Ökotech­nologien, kulturelle Aktivitäten, gesell­schaftliches Innen­leben: all das löst einerseits die drängenden Probleme im Alltag und bietet anderer­seits eine ganze Palette von Betätigungs­möglichkeiten, die nicht über Märkte, ja nicht einmal mit Geld abgerechnet werden müssen. Die Befreiung der Arbeit von den Fesseln der Bezahlbarkeit ist möglich, zum Wohle aller. Zugleich wird natürlich der Bereich formeller Wirt­­schafts­tätigkeit (sei sie nun kapitalistisch oder sonst zentral organisiert) drastisch ge­­schrumpft. 500 Menschen brauchen, falls sie überhaupt noch wollen, bloss 30 Autos statt heute 250, um alle heute nötigen Fahrten machen zu können. Allein dies würde die Automobil­industrie auf 10% reduzieren und jeden siebten Arbeits­platz befreien. In allen anderen Bereichen ergibt sich ein ähnlicher Faktor – was die heutige Verschwendung von Res­sourcen illustriert. Damit wird eine andere Anfangs­bedingung jeder Alternative, dass nämlich die 20% Bewohner des Nordens sich nicht weiter­hin 80% der planetarischen Ressour­cen aneignen können, tendenziell respektiert, und das ganz ohne Handel mit irgendwelchen Armutszertifikaten (die man ja analog zu den C02-Zertifikaten auch einmal vorschlagen könnte).


 

Relativ grosse und gut organisierte Nachbarschaften bieten als Grosskonsumeinheit einen weiteren Vorteil, nämlich den, sich mit einem oder mehreren Landwirtschaftsbetrieben in der Region (es werden für die Grundlebensmittelversorgung unter mitteleuropäischen Beding­ungen etwa 90 ha benötigt) zu assozieren und so einen direkten Austausch Stadt/­Land herzustellen, der erstens den Attraktor stärkt und andererseits einen Ausweg aus den heutigen, verfahrenen Landwirtschaftspolitiken bietet. Ein grosser Teil der Land­wirt­schaft kann so aus dem zerstörer­ischen (Welt-) Markt genommen und zugleich mit Arbeitskräften versorgt werden. Da die Subvention von Ferntransporten durch niedrige Erdölpreise wegfallen wird (Oil Peak!), wird die Nahrungsmittelproduktion sowieso wieder lokal erfol­gen müssen, zumindest was die schweren und/oder alltäglichen Produkte wie z.B. Kartoffeln und Milch, betrifft. Da weder Markt noch Transport funktionieren, kann eine emergente Lösung nur ein Doppelwirbel von urbanen Nach­barschaften und ihren agrari­schen Zwillingen sein. Als Kunde ist die Nachbar­schaft gerade gross genug, als dass gezielte Transporte in genügend grossen Mengen anfallen. Weitere Produkte, wie Salze, Zucker, Öle können natürlich in einem grösseren Rahmen erzeugt und verteilt werden. Leichtere oder spezielle Produkte wie Tabak, Kaffee, Gewürze, Käse usw. lohnen den Transport auch über weitere Distanzen und können gesammelt mit energieeffizienten Verkehrsmitteln (Schiff, Bahn) verschoben werden.


 

Der Attraktor Nachbarschaft ist nicht einer der Autarkie, der Isolation und Idiotie, sondern ein offenes Foyer mit Verbindungen in die Region und die Welt. Er ermöglicht auch jene grundlegende Gastfreundschaft (10% des Raums für Gäste), die die Weltgesellschaft kapillar und neuronal durchlässig machen wird. Wenn alle überall willkommen sind, ist kaum mehr eine Migrationskontrolle nötig. Wenn es keine Wirtschaft mehr gibt, vor der man flüchten muss, wird es auch keine Wirtschaftsflüchtlinge mehr geben.


 


 


 


 


 


 

Attraktor kommunaler Bereich


 

Genauso elementar wie der erste soziale Wirbel ist der zweite, das Quartier (in der Stadt) oder die Kleinstadt, (auf dem Land). Die Echos, die wir hier hören, sind einerseits die griechische Polis (um die 10'000 Bewohner), die eigentliche Ur-Heimat der Demokratie. Andererseits tönt bei dieser Grössenordnung auch die alte Kommune an, die politische Selbstorganisation in Stadtteilkomitees, Räten, Sowjets, Centri Sociali, die Kämpfe um lokale Selbstverwaltung, gegen Autobahnen, Flughäfen, Shoppingcenters. Beide Echos tönen heute natürlich falsch. Die griechische Polis war nur die demokratische Ver­walt­ungsform von Sklavenhaltern, die Kommune basierte noch auf einem homogenen Pro­leta­riat, das sich heute längst diversifiziert hat. Die Centri Sociali aus den Jugend­bewegungen haben sich oft in kulturelle Ghettos verwandelt. Trotzdem: das Quar­tier ist für die Demo­kratie wich­­tig, weil es zugleich anonym/öffentlich, aber doch noch persön­lich/­über­schaubar ist. Volksver­sammlungen sind gerade noch möglich, Repräsen­tation (in einem Quartierrat von vielleicht 20 bis 40 Mitgliedern) ist kontrollierbar und angesichts der Autonomie der Nachbarschaften nicht allzu verführerisch. Korruption ist möglich, aber korrigierbar.


 

Eine Gegenmacht gegen die zwar auch demokratischen, aber doch für intime Unter­drückungs­pielchen (Klatsch, Mobbing, Intrigen) anfälligen 10-20 an einem Quartier betei­lig­ten Nachbar­schaften ist notwendig. Die Verletzbarkeit des Individuums durch eine Gemeinschaft, die ihm so viel bietet, ist gross und braucht daher ein externes Schutz- und Kühlsystem. In vielen Bereichen ist das Quartier eine sich emergent ergebende Einheit, ganz einfach, weil dort spezifische Aufgaben anfallen, die Nachbarschaften nicht erfüllen können oder sollten. Das Quartier bietet unabhängige Richter, Untersuchungs­organe, Aus­weichmög­lichkeiten (Hotel), zusätzliche Unternehmungen (Primar-Akademie, hand­werk­liche Betrie­be, Theater, Thermen), Versorgungs­strukturen (Wasser, Elektrizität, Ver­kehrs­mittel, Poli­kli­nik) und Freiräume (Markt, industrielle Areale=Demiurgien, Festsäle, Salons, Park). Auf dem zentralen Quartierplatz bewegen sich die Menschen nicht als Nach­­barn, sondern als Bürger, als gleichberechtigte Teilhaber an einem gesell­schaftlichen Gesamt­kunstwerk. Befreit von existenziellen Sorgen verfolgen sie hier techni­sche, künst­ler­ische, wissen­schaftliche oder andere Interessen zusammen mit PartnerInnen aus allen Nachbarschaften, aus der ganzen Stadt, mit Gästen aus aller Welt. Es ist dies das Reich der freien Asso­ziation, wo die Weltinnenpolitik persönlich diskutiert werden kann. Es ist eine Machtbremse für autokratische Perversionen.


 

Wo sich das Quartier nicht zu einer grösseren Stadt amalgamiert, kann es auch als kleine Landstadt bestehen und dort zu einem Verdichtungspunkt von Ex-Suburbia werden. Iso–lierte Siedlungen unterhalb dieser Grössenordnung sind weder ökologisch (Landver­brauch, Wege), noch sozial attraktiv. Das Dorf ist definitiv keine Option mehr (auch mit Satelli­tenschüssel). Was es gibt, sind noch die Weiler der Landwirtschafts­betriebe von städti­schen Nachbarschaften oder Quartieren, und schöne Land- und Berggasthöfe.

Der kommunale Bereich heisst Communal Area (CA).


 


 


 


 


 


 


 

Attraktor Metropole, agro-urbane Region


 

Schon bald wird die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten leben. Seit Babylon, Rom und Bagdad sind Metropolen die kräftigsten Attraktoren der Weltgeschichte gewesen. Die Welt­städte der neunzehnten Jahrhunderts (London, Paris, New York) haben die Welt­gesellschaft erst geschaffen. Die heutigen Global Citys sind allerdings kaum noch als Städte, als Kommuni­kations­zentren, zu bezeichnen, sondern sie sind nur noch gigantische Additionen von Wohn- und Arbeitsplätzen. Diese Gebilde sind intrinsisch unüberschaubar, chaotisch, unplanbar, parasitär. In vielen Aspekten sind sie mit globalen Anfangs­bedin­gungen (Ressourcen, Demokratie, Kommunikabilität) nicht vereinbar. Und doch bilden sie einen unverzichtbaren und auf jeden Fall unwiderstehlichen Attraktor. Kombiniert mit den anderen Wirbeln können sie ihr Potential entfalten ohne sich selbst und das Umland zu zerstören. Da Metropolen (Städte über 250'000 BewohnerInnen) ja aus vernünftig organi­sierten Quartieren bestehen, kann der Chaosbereich in einem nicht-destruktiven Rahmen gehalten werden. Da Nachbarschaften und Quartiere (je 500, bzw. 50) intern ihren Nachschub organisiert haben und die meisten Alltagsaufgaben über­nehmen, entsteht kein parasitärer Moloch, sondern eher ein Weltspielplatz für jenen kreativen Überschuss, der gerade durch deren Grundeffizienz erzeugt wird.


 

Die Stadt besteht also nicht nur aus einer monotonen Anhäufung von Quartieren, sondern sie verfügt über ihr eigenes Zentrum und andere Areale, wo sich spezifische Gestaltungs­spielräume eröffnen: industrielle Anlagen, Hochschulen, Opern, Spitäler, Märkte für Luxus­­­­güter, Spitzengastronomie, architektonische Wunder (Museen, Konzerthallen, Tür­me), Labors, Zirkusse, Messen, Kongresse usw. Diese Zentren sind sowohl regionale wie globale Treffpunkte, wo die Kommunikation sich in verschiedenen Assoziationen ab­spielen kann. Die Grossstadt ist also nichts anderes als das Schwer­kraftzentrum einer agro-urbanen Region (AUR). Die Versorgung auch grosser Städte aus einem regionalen Umland (bis zu 50 km weit) ist auch heute noch möglich: das zeigt das Beispiel Shanghais. Die demokratische Repräsentation auf Stadtebene enthält zwar auf Grund einer grösseren Volksferne einige Risiken, die aber wiederum durch die starke Position der Quartiere und die intensive Kommunikation im Zentrum relativiert werden. Die BürgerInnen haben Zeit, sich um ihre PolitikerInnen zu kümmern. Diese neuen "organischen" Global Citys werden einerseits lebendiger und bunter sein als die heutigen, andererseits aber doch grundsätzlich demokratisch beherrschbar bleiben.


 


 


 

Attraktor autonomes Territorium


 

Nationen haben sich mehr als Repulsoren denn als Attraktoren herausgestellt: man flieht vor allem aus ihnen. Man führt Kriege gegen sie. Man stirbt für ihre Grenzen. Die aus dem 19. Jahrhundert ererbten grossen Nationen sind künstliche Gebilde, die bestenfalls aus den eigentlichen Attraktoren, nämlich Regionen, Ländern, Provinzen usw. zusammen­geschustert wurden. Die Nationen sind als Erober­ungs- und Markt­steuerungsgebilde kon­zipiert und haben mit dem Leben in seiner Konkretheit nichts zu tun. Der Attraktor Territorium – eine Landschaft von viel­leicht 50'000 km2 und 10 Millionen Bewohnern – hat sich in vielen Weltgegenden hingegen emergent hergestellt und taucht seltsamerweise heute nach allen bürokratischen Bändigungsversuchen wieder auf (régions gegen départments in Frank­reich, alte Länder der Ex-DDR, Staaten in den USA). Es ist eine Grössenordnung, meist geographisch handlich, in der man sich innert einer Tagesreise bewegen kann, wo man Ver­wandte noch besuchen kann, wo man nur regional erhältliche Produkte und Über­schüs­se noch einiger­massen rationell austauschen und transportieren kann, wo man also noch nicht ganz "fremd" ist. Entspricht die Stadt noch der Fuss­gängerIn, so ist das Territorium wahr­scheinlich durch das Pferd entstanden, dem dann das Dampfross, die Eisenbahn, folgte. Zu fliegen braucht man hingegen nicht (und wird man auch nicht mehr können - gut haben wir Swiss verkauft!).


 

Selbstverständlich ist auch das territoriale Echo wieder vergiftet: es ist oft ethnisch be­stimmt und wird, wenn es gesäubert wird, zu einem Gefängnis. Die Überwindung dieser ethnischen Barrieren kann durch die Förderung der Weltgemeinschaft, die Gastfreund­schaft in den Quartieren und Städten, erreicht werden. Ein Territorium braucht keine schar­fen Gren­zen (fuzzy borders genügen) zu haben – es endet, wo die Zusammen­arbeit be­stimm­ter Zweck­ver­bände endet. Das Territorium ist wahrscheinlich die grösste Einheit, wo so etwas wie die normale, westliche parlamentarische Demokratie noch ohne allzu grosse Ausrutscher funktionieren kann. Es ist nur noch ein Reststaat, der hauptsächlich koor­diniert, ausgleicht, auffängt, aushilft, Reserven anlegt, Kommunikationsmittel zur Verfü­gung stellt (Währung, Ver­kehrs­mittel, Telephon, Strassen), letzte Instanzen unterhält und Verträge garantiert (Polizei, Gerichte), Regeln diskutiert usw. Eine besondere sentimentale Identifikation ist nicht nötig, AT genügt.


 

Die AT sind zugleich eine ideale Basiseinheit um sich je nach Zweck subkontinental zur technischen Zusammenarbeit zu kombinieren. Grundstoffe, technische Module, elektro­nische Komponenten, die Energieverteilung, Verkehrsysteme usw. können zum Beispiel auf dem Subkontinent Westasien (vom Ural zum Atlantik) gemeinsam produziert oder organisiert werden. In anderen Belangen werden sich die AT rund ums Mittelmeer ver­binden. Kontinente bilden aber abgesehen von einigen geographischen Selbstverständ­lichkeiten an sich keine Attraktoren, was an den aktuellen Verrenkungen der EU gut abgelesen werden kann. Warum soll z.B. Marokko nicht "dazu gehören", wenn die Türkei dies kann? Und was ist dann mit Mauretanien und dem Irak?


 


 


 

Der globale Attraktor


 

Auf unserem Spaziergang durch die Attraktionen der anderen Welt gelangen wir notwen­digerweise zum letzten, grössten Attraktor: dem Planeten (der, wie um uns zur Beschei­den­heit zu mahnen, allerdings um die Sonne kreist). Die planetarische Organisation (PO) ist eine Versammlung der 600 Territorialdelegierten, die damit alle eine vergleichbare und wiederum demokratisch verfasste Konstituante haben. Ein Weltrat von 21 Mitgliedern (ohne Vetorechte) wird von ihnen als Exekutive gewählt. Die demokratische Gesundheit der Territorien wird sich in einer demokratischen Gesundheit von beliebig vielen Welt­institu­tionen abbilden können: Weltbank (als einzige Bank, Globo statt Dollar), Welt­sicherheitsrat, Weltgericht (auch für Menschen aus US-Staaten), Weltressourcenrat (alles gehört allen, aber alle haben auch das Recht auf Leben), Weltdatenbank (alles Wissen für alle), Weltnaturschutz, Weltakademie, Welt­raumbehörde, usw. Es gibt heute schon genug Welt­organisationen – was noch fehlt ist ihr demokratischer Umbau und die daraus folgen­den Veränderungen in ihrer Wirksamkeit. Die Gefahr einer Weltdiktatur ist ange­sichts der autonomen und demokratisch gefestigten Territorien und ihrer subkon­tinentalen Zusam­men­arbeit relativ gering. Wenn die globale Wirtschaft auf 10% des heutigen Um­fangs geschrumpft sein wird, sind die Versuchungen und die Einfluss­möglichkeiten auf dieser Ebene nur noch gering. Auch wenn jemand diktiert, so schreibt doch niemand mehr mit. Einen Weltmarkt wird es nur noch im Rahmen eines kleinen kapitalistischen Spielplatzes (inklusive Casino- und Risiko-Kapitalismus: seine akzeptabelste Form!) geben, der nirgendwo existentiell bedrohende Hebel ansetzen kann


 

Die zwei wichtigsten Fragen, die auf Weltebene gelöst werden müssen, und die das grösste Verzerrungspotential haben, sind: Ressourcenverteilung und High-Tech-Produktion.


 

Die Ressourcen der Welt gehören uns allen gleichermassen. Es kann nicht angehen, dass gemäss einer globalen Blut-und-Boden-Ideologie das Wasser der Schweizern, die Kohle den Engländern, das Erdöl den Arabern oder Venezuelanern, die Diamanten den Kongo­lesen, die Thunfische den Sizilianern usw. "gehören". Wir sind zufälligerweise als neugie­rige homines sapientes in verschiedenste Weltgegenden verschlagen worden und haben dann, unter verfälsch­ten Bedingungen, versucht, uns anzupassen und das beste aus dem zu machen, was uns am nächsten lag. Daraus können keine primären Nutzungsrechte abge­leitet werden. Aber auch die sekundären Ressourcen gehören nicht nur jenen, die sie materiell entwickelt haben: das industrielle Know-how, das technische Wissen, die westl­i­che Wissenschaft, basieren auf einen kolonialen Sockel, auf einer Anschubsub­vention durch viele ausgebeute Völker der Welt. Hätten sie nicht billigen Zucker oder billige Baum­wolle geliefert, hätte die nötige Zeit für wissen­schaftliche Studien nicht frei gemacht werden können. (Das wusste auch Voltaire, der in Zuckerrohrplantagen und Sklavenarbeit investierte und uns unter Verwendung dieser Ressoucen "aufklärte".) Die sogenannte westliche Zivilisation gehört auch den Busch­männern, den Inuit, den chinesischen Dorf­bewohnern. Sie alle sind seit dem 15. Jahrhundert - ob sie nun wollten oder nicht - in einen planetarischen Prozess, einen Wirbel, der Wissensent­wick­lung einbezogen worden, der aus verschiedensten Gründen von Europa aus ging (der Hauptgrund war die erwähnte einmalig extreme Verzweiflung der herrschenden Klassen). Natürlich wünschten wir uns eine bessere Geschichte, aber wir müssen nun wohl mit dieser zurecht kommen.


 

Alle Weltbewohner sind also virtuelle Aktionäre des Unter­nehmens wissenschaflich-tech­nische Entwicklung. Worauf wir zufällig sitzen und was wir zufällig können, muss auf einen Haufen geworfen werden und dann anteilmässig verteilt werden. Eine gewisse Korrektur auf Grund spezifischer Bedürfnisse (Klima, historische Defizite, Geographie) ist natürlich zulässig. Ein Weltressourcenrat muss darüber wachen, dass alle Territorien einen ausrei­chenden Zugang zu all diesen Ressourcen haben. Es ist ganz klar, dass eine solche Zuteilung nicht über das Instrument von persönlichem Eigentum (Rationen) geschehen kann, denn viele dieser Güter sind sowieso nur kollektiv nutzbar (nehmen wir zum Bei­­spiel das Alphabet, die natürlichen Zahlen, die Relativitätstheorie, Thermen, die Eisen­bahn, das Telephon). Damit die Menschen nicht eifersüchtig auf die Verwertung ihrer Ideen oder Produkte wachen müssen, ist es allerdings notwendig, dass es eine Art von globaler "eiserner Reisschüssel" gibt, also eine Garantie eines guten Lebens für alle. Zwischen der gesicherten Versorgung mit Lebensmitteln und der Möglichkeit globaler "shareware" in allen Bereichen (nicht nur im IT-Bereich), gibt es einen direkten Zusammenhang.


 

Zu den globalen Ressourcen gehört auch die High-Tech-Produktion, ganz unabhängig davon, wo und durch wen sie stattfindet. Ingenieure müssen sich als Techno-Delegierte eines Weltparlaments verstehen, die für bestimmte Aufgaben freigestellt werden. Sie sind also zu vergleichen mit den Gemeindearbeitern, die sich früher Dorfgemeinschaften zum allgemeinen Wohl leisteten: Demiurgen (z.B. Schmiede). Dazu braucht es einen welt­weiten Fonds für Forschung und Entwicklung und Freiräume zur Entfaltung dieser kreativen Energien. Daneben gibt es ähnliche Einrichtungen schon auf den lokalen und regionalen Ebenen.


 


 


 


 

Zusammenfassung


 

Alltagsleben in reichhaltigen Nachbarschaften, ein kommunaler Bereich mit demo­kratischen Strukturen und allen nötigen Diensten, agro-urbane Metropolen, die intensives Stadtleben mit einer nachhaltigen Landwirtschaft verbinden, autonome Territorien, die subkontinental und global in Forschung und Produktion kooperieren – eine demokratische planetarische Organisation, die den globalen Haushalt so gestaltet, dass alle Menschen gut leben und kreativ zusam­men­arbeiten können - so liesse sich auf dem dritten Planeten des Sonnen­systems schöner leben. Der oben skizzierte Vorschlag ist so gut wie viele andere. Ist er gut genug, als dass wir uns vorläufig auf ihn einigen könnten?


 

10 Millionen LMO; je 500 Menschen in lebenswerten Nachbarschaften


 

650'000 CA: je 10'000 Menschen, demokratisches Quartier- und Dorfleben


 

30'000 AUR: je 200'000 Menschen in städtisch/landwirtschaftlichen Regionen


 

650 AT: je 10'000'000 Menschen in überschaubaren territorialen Einheiten


 

1 PO: eine planetarische Organisation, die die Zusammenarbeit der Territorien koordiniert und die globale Allmende herstellt


 


 


 


 

Inspirationsquellen:


 

Ball Philip, Critical Mass, Heinemann, 2004


 

Diamond, Jared, Collapse, Penguin, 2005


 

Federici, Silvia, Caliban and The Witch, Women; The Body and Primitive Accumulation, Autonomedia, 2004


 

Friedman, Thomas L., The World Is Flat, Farrar, Straus & Giroud, 2005


 

Gladwell, Malcolm, The Tipping Point, Abacus, 2000


 

Goodstein, David, Out of Gas; The End of The Age of Oil, W.W.Norton, 2004


 

Hardt, Michael, Negri, Toni, Multitude, campus, 2004


 

Kay, John, The Truth About Markets, Penguin, 2004


 

Lewin, Roger, Complexity, Phoenix, 2nd edition 2001


 

Stiglitz, Joseph, Globalization and its discontents, Penguin, 2002


 


 

Eigene Texte:


 

P.M. bolo'bolo, Paranoia city Verlag, 6. Aufl., 1995


 

P.M. und Freunde, Olten – alles aussteigen, Paranoia city Verlag, 2. Aufl., 1991


 

P.M. Subcoma, Paranoia city Verlag, 2000


 

P.M. Die 20-Prozent-Gesellschaft, WochenZeitung, Dezember 2002